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Therapeutisches Reiten Dortmund

Die Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd ist ein Teilbereich des Therapeutischen Reitens. Sie ist eine ganzheitlich orientierte pädagogische Fördermaßnahme, bei der das Pferd seine spezifischen Fähigkeiten in den Interaktionsprozess einbringt.
Der Bewegungsdialog des Pferdes wird als Impuls zum Beziehungsaufbau und zur Gestaltung von Lern- und Entwicklungsschritten genutzt. Nicht die reitsportliche Ausbildung sondern die individuelle Förderung über das Medium Pferd steht im Vordergrund, d.h. vor allem eine günstige Beeinflussung von Motorik, Wahrnehmung, Lernen, Befinden und Verhalten.
(vgl. Definition des Deutschen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten DKTHR)

Die Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd findet in der Regel in Form des heilpädagogischen Voltigierens oder des heilpädagogischen Reitens statt. Allerdings soll durch diesen allgemein gefassten Begriff deutlich werden, dass nicht nur in diesen Settings gearbeitet werden kann, sondern dass das Pferd auch in weiteren, sehr unterschiedlichen Bereichen, wie in der Arbeit vom Boden aus oder in geführten Formen eingesetzt werden kann. Auch erlebnisorientierte Projekte, Handpferdereiten, Verhaltensbeobachtungen von Pferden in der Herde, Eltern-Kind-Reiten, etc. können je nach Zielsetzung eine Form der Unterstützung durch das Medium Pferd sein.

Beim Heilpädagogischen Voltigieren führen die Kinder auf einem, an der Longe geführten Pferd Übungen durch, die dem Voltigiersport ähnlich sind. Dadurch werden die motorischen Basiskompetenzen der Kinder gefördert wie Gleichgewicht, Kraft, Ausdauer, Gelenkigkeit und Schnelligkeit. Gleichzeitig werden psycho-soziale Verhaltensweisen geübt wie z.B. sich einigen über eine Reihenfolge, sich gegenseitig helfen, Hilfe annehmen, Verantwortung für die Versorgung des Pferdes übernehmen etc.

Durch das rhythmische Bewegtwerden auf dem Pferd stellen sich oft schon in kurzer Zeit Erfolge ein. Sie steigern das Selbstwertgefühl der Kinder sowie das Vertrauen in sich und andere.

Das Heilpädagogische Voltigieren ist in der Regel eine Gruppenaktivität, dabei liegt die maximale Gruppengröße 5-6 Kinder. Bei Kindern mit größeren Schwierigkeiten oder sehr jungen Kindern sind auch deutlich kleinere Gruppen möglich.

Einzelförderung wird bei Kindern bis zu einem Alter von 4 Jahren durchgeführt bzw. bei Kindern, die noch nicht in der Lage sind, sich in eine Gruppe zu integrieren. Auch bei sehr ängstlichen Kindern oder Kindern mit einer stärkeren körperlichen Einschränkung kann eine Einzelförderung notwendig sein.

Beim Heilpädagogischen Reiten haben Kinder und Jugendliche die Möglichkeit, ihren eigenen Einfluss auf das Pferd kennenzulernen. Dies setzt bereits ein gewisses Maß an Bewegungserfahrung auf dem Pferd und ein höheres Maß an Selbständigkeit und Autonomie voraus. Der enge Kontakt beim Reiten und die Beziehung zum Pferd stärken hier die motorische und sozial-emotionale Entwicklung.

Auch diese Form der Förderung ist in der Regel eine Gruppenaktivität. Zur Schonung der Pferde und zum Festigen erster reiterlicher Voraussetzungen im Sattel finden die ersten Einheiten an der Longe statt.

Besondere Faktoren bei der HFP sind, dass das Pferd ein für die meisten Klienten unbekanntes Medium ist, in dem die Menschen nicht auf eingefahrene Verhaltensmuster zurückgreifen können, sondern neue Erfahrungen machen und damit auch neue Verhaltens- und Reaktionsweisen erproben. Das Pferd wirkt einerseits als Spiegel, andererseits tritt es dem Menschen völlig vorurteilsfrei gegenüber. Im Umgang mit dem Pferd wird der Mensch ganzheitlich angesprochen: körperlich, emotional, geistig und sozial. Durch den ganzheitlichen Charakter und den hohen Aufforderungscharakter des Pferdes ist diese Therapieform auch besonders bei therapiemüden Menschen indiziert.

Zielgruppen für eine heilpädagogische Förderung mit dem Pferd sind Menschen mit

  • Lern- und geistigen Behinderungen
  • Verhaltensauffälligkeiten, z.B. Ängste, mangelndes Selbstwertgefühl, Kontaktstörungen, Konzentrationsstörungen, Aggressivität, Hyperaktivität etc.
  • Wahrnehmungsstörungen
  • Autismus oder autistischen Verhaltensweisen
  • neurotischen Erkrankungen
  • Sprachstörungen, z.B. selektiven Mutismus,
  • psychosomatischen Erkrankungen

Das Alter der Menschen in der heilpädagogischen Förderung mit dem Pferd ist abhängig von körperlichen und mentalen Voraussetzungen. In der Regel kann eine Förderung ab 3 Jahren erfolgen, eine Höchstgrenze gibt es nicht. Gerade für Menschen mit einer geistigen Behinderung gibt es keine feste Konstante. In jedem Fall muss vor Beginn der Maßnahme eine ärztliche Unbedenklichkeitsbescheingung vorliegen. Zurzeit nutzen ca. 100 Kinder, Jugendliche und Erwachsene wöchentlich die Angebote der Praxis. Hierin eingeschlossen sind auch immer wieder Projekte z.B. mit der Universität Dortmund "Starke Jungs", mit der Drogenberatungsstelle Dortmund Drobs "Emma", mit der Christopherusschule Bochum-Gehrte u.a.

Zielsetzungen

Von besonderer Bedeutung ist es, dass die Erwartungen für die Förderung gemeinsam mit den Beteiligten festgelegt werden und eine gemeinsame Zielsetzung erarbeitet wird. Diese Absprachen werden im Anamnesegespräch festgehalten und regelmäßig überprüft.

Die Zielsetzungen können im Bereich der Motorik ebenso wie im Bereich des Verhaltens oder der emotionalen Entwicklung liegen.